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11:55 Sonntag, 08. Juni 2008
Job-Macher statt Spitzel-Bande - Deutsche Manager besser als ihr Ruf
Sendung am 8. Juni 2008 um 21.45 Uhr Sehr geehrte Anne-Will-Redaktion, zum Thema der o.g. Sendung haben Sie, wie der Gästeliste zu entnehmen ist, als einzigen Angehörigen des Organs eines börsennotierten Konzerns den ehemaligen RTL-Geschäftsführer Helmut Thoma in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender der freenet AG eingeladen. Dazu sollte das Publikum vielleicht etwas über Vorgänge erfahren, in die auch die heutigen Schützlinge Helmut Thomas, nämlich die freenet-Vorstände Eckhard Spoerr und Axel Krieger verwickelt sind. Das Unternehmen freenet steht momentan stark im Focus der Öffentlichkeit, da die Organe kritischen Großaktionären Einfluss auf das Unternehmen, u.a. Sitz und Stimme im Aufsichtsrat, verweigern wollen. Zu den kritischen Großaktionären gehört mit der United Internet AG eines der erfolgreichsten deutschen Unternehmen der Nachkriegszeit, dessen Gründer Ralph Dommermuth zu den Kritikern von Managern mit Selbstbedienungsmentalität gehört (Manager Magazin) und vielleicht deshalb als Partner für die freenet-Organe besonders unerwünscht ist. (Handelsblatt) Statt dessen favorisieren die freenet-Organe die Aufnahme eines neuen Großaktionärs, dem hierzulande auch schon unangenehm aufgefallenen Finanzinvestor Permira, der dankbar ist, seine problembehaftete debitel-Beteiligung durch Einlage in die freenet endlich los zu werden und den für die Wertsteigerung notwendigen massiven Arbeitsplatzabbau des dann fusionierten Unternehmens andere erledigen zu lassen – die schon länger auffallend exorbitant bezahlten freenet-Vorstände. (Manager Magazin) Mit Helmut Thoma haben Sie leider einen Aufsichtsrat ohne Glaubwürdigkeit eingeladen, um Manager gegen eine selbstverständlich ungerechte pauschale Herabwürdigung zu verteidigen. Er beaufsichtigt als Aufsichtsratsvorsitzender Manager, die in der Gesamtheit falsche öffentliche Zerrbilder deutscher Manager maßgeblich mit bewirken, weil die Herren Spoerr und Krieger eben nicht besser sind als ihr Ruf. Dubiose Vorgänge gab es bereits vor deren Zeit bei freenet. Im Jahr 1997 haben drei Sanierer, zu denen die heutigen freenet-Vorstände Eckhard Spoerr und Axel Krieger gehörten, das Weltunternehmen Michael Cromers, die MCM Moderne Creation München Reisegepäck GmbH in den Ruin getrieben haben und sich, teilweise verdeckt, an einer Schweizer Gesellschaft beteiligt haben, an die sie in ihrer Funktion als Sanierer mit Geschäftsführungsbefugnis und Treuepflicht die MCM-Markenrechte für 15 Mio. DM verkauften, die diese Gesellschaft vier Monate später für 30 Mio. DM weiterverkaufte. Üblicherweise nennt man so etwas „Untreue“. Eine gute Schilderung dieser Vorgänge findet sich in einem Internet-Blog wieder. Dort aufgeführt sind auch die Details, wie die freenet-Vorstände sich an der Schweizer Gesellschaft beteiligten. Eckhard Spoerr, der heutige freenet-Vorstandsvorsitzende machte dies sogar verdeckt über das Konto seiner Mutter, einer Steuerberaterin. Heraus kam in dies in einem Strafverfahren in St. Gallen/CH (Az. ST.203.13782), in dem der zuständige Richter entsprechende Kontoauszüge beschlagnahmen ließ. Die Herren Spoerr und Krieger, damals 28 Jahre alt, waren bei diesen Vorgängen Helfershelfer eines dubiosen Herrn Ludwig M. Schneider, der Anfang des Jahres seine Münchener Unternehmensberatungsgesellschaft in die Insolvenz geschickt und sich selbst nach Griechenland abgesetzt hat. Umso interessanter sind diese Vorgänge im Zusammenhang mit einer Strafanzeige, durch welche die Staatsanwaltschaft gegen die freenet-Vorstände ermittelt: (Wirtschaftswoche) Kürzlich hat die Staatsanwaltschaft zu einem Punkt der Strafanzeige bereits Anklage erhoben: (Manager Magazin) Da diese Strafanzeige im Internet verfügbar ist, kann jeder sie lesen und einige vergleichbare Sachverhalte zur Tätigkeit der Herren Spoerr und Krieger bei MCM feststellen. Im Kern der Strafanzeige geht es darum, dass an eine Schweizer Gesellschaft, die von einem guten Freund der Herren Spoerr und Krieger gegründet wurde, ein zweistelliger Millionenbetrag von freenet geflossen ist. Die Vorgänge an sich sind evtl. nicht strafrechtlich relevant, solange die Vorstände nicht selbst an dieser Schweizer Gesellschaft beteiligt sind. Im Fall MCM haben sie jedoch gezeigt, dass sie sich mit Schweizer Gesellschaften bereits auskennen und auch bereit sind, sich verdeckt an solchen zu beteiligen. Den sachlichen Darstellungen dieser Strafanzeige wurde bisher nicht widersprochen, so dass davon auszugehen ist, dass die geschilderten Sachverhalte inhaltlich richtig sind. Die freenet-Vorstände und auch der Aufsichtsratsvorsitzende Helmut Thoma behaupten nur immer wieder, dass die Vorwürfe haltlos seien. Auf eine sachliche Diskussion wird nie eingegangen. Ein weiterer interessanter Punkt dazu ist, dass Harald Thoma, der Sohn Helmut Thomas, gemeinsam mit dem Freund der freenet-Vorstände Spoerr und Krieger, der die oben erwähnte. Schweizer Gesellschaft gründete, ebenfalls gemeinsam eine Gesellschaft gegründet hatte und diese an freenet verkaufte. Im Anschluss war Harald Thoma mehrere Jahre als Berater für freenet tätig und bestritt daraus scheinbar seinen Lebensunterhalt. Obwohl Helmut Thoma als Aufsichtsratsvorsitzender bei der letzten Hauptversammlung am 20.07.2007 von mehreren Aktionären zu diesen Vorgängen befragt wurde, verweigerte er dazu die Auskunft. Ein besonderes „Geschmäckle“ hat die Sache, weil unter Führung von Helmut Thoma ein Aktienwertsteigerungsprogramm für die Vorstände der freenet AG aufgelegt wurde, dass nach Ansicht von Experten einzigartig in der deutschen Wirtschaft ist und den Herren Spoerr und Krieger den Bezug zweistelliger Millionenbeträge ermöglicht. Allein für 2007 erhielten die Vorstände Spoerr und Krieger Vorstandsbezüge von zusammen rund 7 Millionen Euro und damit mehr als fast alle Manager deutscher Unternehmen, vor allem wesentlich größerer Unternehmen. Der Börsenkurs der freenet AG reduzierte sich von 22,10 auf 15,99 per 31.12.07 (berichtigt um eine Dividende von 6 Euro aus dem Jahr 2007 ist dies immer noch ein gesunkener Kurs), während beispielsweise der DAX von 6.681 auf 8.067um 21 % stieg. Selbst Forderungen des Vertreters eines großen Fonds nach einem freiwilligen Teilverzicht des Managements auf seine überzogenen Bezüge blieben unbeachtet. Ein weiteres Geschmäckle hinterlässt dabei die Tatsache, dass die Geliebte Eckhard Spoerrs, Frau Franziska Oelte, als Arbeitnehmervertreterin im freenet-Aufsichtsrat sitzt und dort sogar dem Präsidium angehört, wo zum einen neben allen anderen Vorgängen auch diese Vergütung abgesegnet wurde. Zum anderen gehören dem freenet-Aufsichtsrat neben Frau Oelte auch noch weitere Führungskräfte der freenet als „Arbeitnehmer-Vertreter“ an, die von dem Aktienwertsteigerungsprogramm für Vorstand und Führungskräfte partizipieren dürften. Bezeichnenderweise wurde auf der Hauptversammlung 2007 eine konkrete Auskunft zu der Frage verweigert, ob dem Aktienwertsteigerungsprogramm auch Aufsichtsräte zugestimmt haben, die davon mit begünstigt sind. Die exorbitant überzogene Vorstandsvergütung der freenet AG ist deshalb auch Gegenstand einer beim Landgericht Kiel anhängigen Anfechtungsklage (LG Kiel 16 O 100/07). Es fällt schwer, zu glauben, dass dieser Vorstand, der scheinbar nur aus guten Freunden besteht, ebenso wie der Aufsichtsrat besser sein soll als sein Ruf. Wenn man die Vorgänge insgesamt betrachtet, erweckt dies eher den Eindruck, dass Unionsfraktionsgeschäftsführer Norbert Röttgen solche Vorgänge meinte, als er sagte, dass das marktwirtschaftliche System infrage gestellt werde, wenn Spitzenunternehmen und Manager „demonstrieren, dass sie die Bindung an Recht und Gesetz offensichtlich für sich selber nicht mehr für maßgeblich halten“. (Reuters) Für die freenet-Vorstände könnten bisher günstige Verjährungsregeln (5 Jahre für Betrug und Untreue statt 10 Jahre wie bei Steuerhinterziehung) „hilfreich“ gewesen sein. Die Sachverhalte werden verdrängt, verschleiert und totgeschwiegen, in der leider nicht ganz unberechtigten Hoffnung, dass staatliche Aufklärung durch die zuständige Staatsanwalt nicht wirksam erfolgt und eventuell irgendwann niemand mehr danach fragt. Es wäre zu hoffen, dass Sie anhand dieser Informationen die richtigen Fragen zu stellen wissen, vielleicht verrät Herr Thoma Ihnen ja in der Sendung, für welche Leistungen sein Sohn jahrelang Geld von dem Unternehmen freenet erhalten hat, das er zu überwachen hat und wie er dies mit seiner gebotenen Unabhängigkeit in Einklang bringt. Gruß Lanu CEO boocompany.com Update: War wars denn nun? Ich hätte die Wette gewonnen. Klar. Helmut Thoma sagte in der Sendung, dass er sofort dafür sei, dass erfolglose Manager für ihr Handeln auch haften müssen. Dazu müsste man mal überlegen, ob man nicht die Haftungsbedingungen anders gestaltet, dass da „wirklich Leute zur Verantwortung gezogen werden können, was bis jetzt offenbar in den Gesetzen nicht passiert.“ Im Wortlaut nachzusehen hier, ab Minute 47:25. Frau Ursula Engelen-Kefer hatte kurz zuvor noch erwähnt, dass der sog. Corporate-Governance-Kodex, der Verbesserungen bewirken sollte, zum Teil nicht eingehalten werde. Im Fall von Helmut Thoma als Aufsichtsratsvorsitzendem der freenet AG hätte man da mal nachfragen können, in welchen Punkten die freenet AG z.B. nicht dem Kodex folgt, wie es hier (pdf) nachzulesen ist. Auf Seite 119 des freenet-Geschäftsberichts 2007 steht: „Die Gesellschaft hat eine D&O-Versicherung für die Organmitglieder abgeschlossen. Diese Versicherung beinhaltet keinen Selbstbehalt für die Mitglieder des Vorstands und die Mitglieder des Aufsichtsrats (Ziffer 3.8 Satz 3 des Kodex). Die Konditionen der D&O-Versicherung werden laufend überprüft, insbesondere hinsichtlich des Selbstbehalts, weil ein damit verbundener Vorteil für die Gesellschaft nicht ersichtlich ist. Verantwortungsvolles Handeln ist für alle Organmitglieder selbstverständliche Pflicht.“ Wie Helmut Thoma seine Statements bei Anne Will mit seinem Handeln in Einklang bringt, bleibt wohl sein großes Geheimnis. „Wenn aus dem Aufsichtsrat geheime Informationen in die Öffentlichkeit gelangen, sei das „Gefühl“, den Schuldigen aufspüren zu wollen „menschlich nachvollziehbar“, argumentierte Thoma – aber man könne natürlich nicht zu ungesetzlichen Mitteln greifen, beschwichtigte er schnell.“ Jeder kann das nachvollziehen, wenn es z.B. darum ginge, dass Planzahlen, Verhandlungen über Fusionen etc. nach außen dringen. Für Herrn Thoma ging es dabei wohl eher um das unangenehme Gefühl, wenn im Aufsichtsrat Dinge besprochen und beschlossen werden, die man den Aktionären vollkommen anders darstellt, da man sonst schadensersatzpflichtig gemacht werden könnte. Wenn solche Dinge dann an die Öffentlichkeit geraten, ist das nicht nur unangenehm für die Aufsichtsräte, sondern möglicherweise hat dies einen peinlichen und teuren Auftritt vor Gericht zur Folge. Überdies stellt sich natürlich auch noch die Frage, wer aus dem Aufsichtsrat während der ganzen Zeit die Presse gezielt mit Informationen versorgt hat, als freenet mit debitel verhandelte und potenzielle Angebote von United Internet abgewehrt wurden. Dies geschah alles im Interesse Thomas. Dennoch waren dies ebenso geheime Informationen, die nach dem Buchstaben des Gesetzes nicht aus dem Kreis des Aufsichtsrates zu gelangen haben. Weiter sinnierte Thoma darüber, dass solche sensiblen Informationen aus dem Aufsichtsrat auch missbraucht werden könnten, z.B. zum Insiderhandel. Da hätte Anne Will ja mal nachfragen können, wie Thoma das gemeint hat. Aber naja, man kann nicht alles haben. ;-) Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: Offener Brief an die Anne-Will-Redaktion zu Helmut Thoma (Update) (whistlebird)
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