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Freenet freenet inside - Teil 1
INSIDER Freenet von lanu

09:11 Mittwoch, 11. Juli 2007

freenet Chef Spoerr hat Ärger am Hals. Nach dem Auftauchen eines Dossiers wird es unruhig in den Medien. Der WiWo wird gedroht, "alles gar nicht wahr", nur mir erklärt der freenet Vorstand nicht die Lage. So bleibt mir natürlich nichts anderes übrig, als mir einen Experten zu suchen, der mir dabei hilft, die Merkwürdigkeiten um den Herr Spoerr zu verstehen. Im Teil 1 des Expertengespräches geht es um die Schweizer iWorxx AG.

bc: Welche Bedeutung hat das Dossier für die aktuellen Ereignisse und vor allem für die Hauptversammlung am 20. Juli?

Das Dossier wirft erst einmal eine Vielzahl von Fragen auf, um deren Beantwortung der freenet-Vorstand auf der Hauptversammlung von den Aktionären gebeten werden könnte.

bc: Was wird Eckhard Spoerr vorgeworfen?

Das ist differenziert zu betrachten, da es sich um mehrere Themenkomplexe handelt. Die ursprünglichen Vorwürfe scheinen darin zu bestehen, dass freenet sich an Unternehmen beteiligt hat, an denen sich kurz zuvor auch immer eine Schweizer Gesellschaft namens iWorxx AG beteiligt hatte.

bc: Was ist das Verwerfliche daran?

Die iWorxx wurde scheinbar von einem guten Freund des freenet-Vorstands, Christoph Bergner, gegründet. Des Weiteren wurde wohl der Vorwurf erhoben, dass der freenet-Vorstand selbst an der iWorxx beteiligt sein könnte. Auffällig ist zudem, dass die iWorxx wenige Monate nach dem Börsengang von freenet gegründet wurde und neben der Beteiligung an Gesellschaften, die sie im weiteren Verlauf an freenet veräußerte, nahezu keine geschäftliche Betätigung hatte.

bc: Kann man denn herausfinden, wem die iWorxx gehört?

Das ist nicht einfach, da als Gesellschaftsform eine Aktiengesellschaft auf Inhaberaktien gewählt wurde, die genau das erschwert. Am ehesten kann dies die Schweizer Staatsanwaltschaft. Ebenso die deutsche Steuerfahndung.

bc: Welche das Dossier ja ebenfalls erhalten haben. War für die Zwecke der iWorxx denn diese Gesellschaftsform notwendig?

Notwendig war diese Gesellschaftsform überhaupt nicht und empirischen Studien zufolge, werden genau solche Gesellschaftsformen fast immer dann eingesetzt, wenn es darum geht, die wahren wirtschaftlich Begünstigten des Gesellschaftsvermögens zu verschleiern.

bc: Was genau können die Schweizer Behörden denn ausrichten? Ist die Schweiz nicht eher bekannt für die Verschleierung solcher Vorgänge?

So war es in der Vergangenheit einmal. Insbesondere seit 9/11 und auf Druck der USA sind diese alten Strukturen weitgehend nicht mehr existent. Die Schweiz selbst hat auch intensiv daran gearbeitet, sich von diesem Geldwäscheparadies-Image zu befreien und verfolgt Geldwäsche mittlerweile sehr gezielt. Bei der Gründung der iWorxx im Jahr 2000 sah dies tatsächlich noch anders aus.

bc: Und die Verfolgung funktioniert tatsächlich?

Ja, nehmen Sie z.B. den Fall Siemens. Der Staatsanwaltschaft in München sollen schon lange Hinweise in diese Richtung vorgelegen haben, aber erst auf Druck der Schweizer Staatsanwaltschaft kam Bewegung in die Angelegenheit. Die Schweiz möchte sauber bleiben.

bc: Was genau können die Schweizer Behörden bei der Gesellschaft bewirken, um die es bei freenet geht?

Es gab in der Schweiz Helfer bei der Gründung der iWorxx, die den strengen Meldepflichten nach den neueren Geldwäschegesetzen nicht nachgekommen sein sollen. Diese könnten sich auf Nachfrage der Behörden vielleicht daran erinnern, wer die Aktionäre bzw. die wirtschaftlich Begünstigten der iWorxx waren.

bc: Was sind das für Gesellschaften, an denen freenet sich beteiligte?

Es scheint sich dabei um Internet-Start-up-Unternehmen gehandelt zu haben. iWorxx beteiligte sich an den Gesellschaften in der Gründungsphase mit Nominalbeträgen, also relativ kleinen Einsätzen, da es sich um GmbH´s mit geringem Stammkapital handelte.

bc: Und was zahlte freenet?

freenet beteiligte sich immer kurze Zeit später. Dann hatten die Gesellschaften eine sog. Equity-Story aufzuweisen, wie es damals in der New-Economy-Zeit üblich war und wurden mit hohen Zukunftserwartungen bewertet. freenet trat dann quasi als aktiver Venture-Capital-Geber in die Gesellschaften ein und zahlte über den Nominalbetrag hinaus siebenstellige Beträge in die Gesellschaft ein.

bc: Das Geld floss also in die Beteiligungen? Wie gelangte dann Geld zur iWorxx?

Die Anteile, die iWorxx an den Gesellschaften hielt, gewannen durch die Equity-Story und den Einstieg freenets auf einen Schlag ein Vielfaches an Wert. iWorxx verkaufte dann Anteile der Start-up´s an freenet. Die Differenz aus der innerhalb weniger Wochen gestiegenen Bewertung und dem von iWorxx bei Gründung gezahlten Nominalbetrag war für iWorxx Gewinn.

bc: Was machte iWorxx mit den Gewinnen?

... wird fortgesetzt...

Download freenet Dossier





Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: freenet inside - Teil 1 (lanu)
die situation erinnert mich ein wenig an die frogdesign-story.

auch das gekreisch "alles lüge" klingt verdammt ähnlich.

vielleicht erinnert sich noch jemand der alten herren? für die anderen: ein vorstandsnaher insider berichtetet hier sehr ausführlich über die bevorstehende pleite. was zu großer aufregung bei frogdesign führt. am ende machten sie sich mit einer anzeige lächerlich. ach ja, das waren noch aufregende zeiten.

herr spoerr kriegt sich bestimmt wieder ein. ;-)
Re: Re: freenet inside - Teil 1 (nightrunner)
Und für alle anderen die sich nicht mehr direkt erinnern können gibts die Suchfunktion :)

Manchmal weiss ich nicht so ganz was interessanter ist,.. die derzeitigen Vorkommnisse häppchenweise zu betrachten oder mal wieder einen der alten "Fälle" im gesamten zu belächeln :]
Re: Re: Re: freenet inside - Teil 1 (lanu)
alte fälle haben was vom wühlen im familienalbum.

neue fälle sind wohl eher wie tagesschau-gucken :-)
Re: Re: Re: Re: freenet inside - Teil 1 (nightrunner)
Mich erinnerts da eher an ne Soap die irgendwann zu nem halbwegs Slapstick behafteten Film verwurstet wird :)
spoerr (lanu)
wird das eher unter dem klassiker "high noon" einordnen müssen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Zw%C3%B6lf_Uhr_mittags
Re: spoerr (nightrunner)
Und dazu von Metallica "For Whom the Bell tolls",.. natürlich in der Fassung vom 98 oder so erschienen SM Album wo das ganze schön fett mit dem Samphonieorchester untermalt ist :)

evtl. käme auch noch "no leaf clover" in frage

"Then it comes to be that the soothing light at the end of your tunnel
Is just a freight train coming your way"
wortmeldung (lanu)
privatmann thoma spricht:

http://lanu.blogger.de/stories/850603/




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