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06:16 Mittwoch, 22. November 2006
Offiziell nennen Marketing-Fuzzis so etwas wohl kleine Adjustments bei der Positionierung. Gruner+Jahrs Flaggschiff für die "wirtschaftlich-sozialen Eliten" kriegt einen neuen Platz im Zeitschriftenregal und eine andere Zielgruppe. Man kann es such als blutige Sex-Change-OP ohne Narkose bezeichnen, an einem fast toten Patienten.
Seit Oktober erscheint Park Avenue "mit überarbeitetem Cover und neuer Heftmischung", meldet der Branchendienst "text intern" pflichtschuldigst die sichtbaren Ergebnisse des chirurgischen Eingriffs. Der neue Chefarzt, der zuvor den quacksalbenden Adelsspross aus dem OP verdrängt hatte, setzt das Skalpell auch beim Preisschild an: Nur noch fünf statt bisher sechs Euro kostet der monatliche Hochglanzporno den Leser aus besseren Kreisen nun.
Mit größeren Text- und Bildstrecken sollen jetzt die Leser besser angesprochen werden, die mit dem Anspruch des Blattes, die deutsche "Vanity Fair" zu sein, offenbar nicht allzu viel anfangen konnten und "Park Avenue" schlicht für ein weiteres Glossy Chick Mag halten: Frauen. Denn die haben das Teil vorwiegend gekauft, obwohl es am Kiosk zwischen Testosteron-Titeln wie "FHM" oder "Matador" einsortiert war. Ganz nebenbei wird dabei klar, was Gruners alte Herrengarde eigentlich unter "wirtschaftlich-sozialen Eliten" versteht: Männer eben. Aber die haben im Zeitschriftenladen lieber gezielt daneben gegriffen. "Wir wissen, dass die überwiegende Zahl unserer Abonnenten Frauen sind", redet sich Gruners Geschäfsführer der Exclusive-Nische, Bernd Klosterfelde, das Desaster weiter schön. Denn die den Anzeigenkunden versprochenen kaufkräftigen Entscheider hat PA natürlich trotzdem erreicht: "Dies ist ein starkes Indiz dafür, dass Frauen eher die Kaufentscheidung treffen." Jetzt kommt die Park Avenue also zwischen "Elle" und "Vogue", sagt der Bernd: "Wir sind dabei, die Platzierung am Kiosk in diese Richtung zu präzisieren, so dass unser Heft zukünftig eher bei hochwertigen Frauentiteln zu finden ist als bei der Männerpresse." Bei der Präzisierung soll eine Notärztin helfen, die sich mit der Chick-Presse auskennt: Ex-Bunte-Gala-Chefin Beate Wedekind wurde als Autorin gewonnen, natürlich nur vorübergehend. Sie darf jetzt mit dem ebenfalls nur zur Not-OP angetretenen Chefarzt Andreas Petzold an dem schönen, aber siechen Körper rumschnippeln. Denn der Patient muss leben. Zumindest so lange, dass er der Konkurrenz von Conde Nast noch den Start erschweren kann. Für den US-Verlag bringt Ulf Poschardt mit einer handverlesenen Schar von Mitte-Losern, äh, Journalisten im Februar die deutsche Ausgabe der "Vanity Fair" raus. Damit der Ulf es auch schön schwer hat, droht der Bernd gar mit einem wöchentlichen Erscheinen seiner VF-Travestie. "Natürlich machen wir uns Gedanken darüber, ob wir nicht einen wöchentlichen Titel starten werden, der in Konkurrenz zu Vanity Fair treten könnte. Da halten wir uns alle Optionen offen." Bitte nicht. Lasst die Transe endlich verrecken. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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